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Stadt Freilassing
 

Werkschau Karl Schindler in der Lokwelt

Unfassbar, dass in Freilassing und Umgebung kaum jemand den Maler und Grafiker Karl Schindler (1928-2018) auf dem Schirm hat. Und das, obwohl er in seiner langjährigen Schaffensperiode eine enorme Vielzahl an Bilder, Grafiken und Drucke geschaffen hat. Zum 100 Jahre Jubiläum der Stadt Freilassing präsentiert derzeit die Lokwelt Freilassing im 1. Stock des Eisenbahnmuseums eine Werkschau des Künstlers. Auf Anregung vom Bernhardt Schmähl haben Museumsleiterin Ingrid Gattermair-Farthofer zusammen mit Susanne Schuardt von der Lokwelt die Jahresausstellung organisiert. 

Die Lokwelt-Repräsentantin begrüßte bei der Vernissage die anwesenden Stadträte und Kunstfreunde, besonders aber Ulrike Schindler, Tochter des verstorbenen Künstlers und ihren Mann Dominik Spieß. „Mehr als beeindruckend“ fand Gattermair- Farthofer zu Beginn der Planungen zur Werkschau bei einem Besuch im Atelier Schindlers in der Salzstraße, die Fülle und Qualität der Bilder und Grafiken. Die Werkschau Karl Schindler passe wunderbar in das Jubiläumsjahr der Stadt Freilassing (100 Jahre Namensgebung Ortsname Freilassing). Zudem werde es noch im Juli eine zweiwöchige Ausstellung in der Stadtgalerie Freilassing geben, so Gattermair-Farthofer. 

Karl Schindler wurde 1928 in ein kleinbäuerliches Anwesen in der heutigen Salzstraße geboren. Seine Herkunft und das karge bäuerliche Leben habe sein Leben und Persönlichkeit stark geprägt. Das erlernte Malerhandwerk habe Schindler mit hohem handwerklichem Anspruch ausgeübt. Nach außen hin sei er immer der bescheidene, bodenständige geblieben, so der Laudator Bernhard Schmähl auf der Vernissage. Als eindrückliches Beispiel für sein „Doppelleben“ nannte Schmähl eine Aussage eines Arbeitskollegen bei der Beerdigung Schindlers: „Was, der Karl war Künstler? Ich habe mit ihm Jahre auf der Baustelle zusammengearbeitet und nie was davon gehört“! 

Dabei habe er sein Talent und den Drang zur künstlerischen Betätigung sehr konsequent verfolgt, wie sein wohl ältestes Werk, datiert 1947, beweist. Erst 1948 habe Schindler die Kunstschule in Bad Reichenhall besucht, gefolgt von einem Privatstudium bei Professor Slavi Soucek in Salzburg, sowie drei Semestern an der Akademie der Bildenden Künste in München bei Prof. Nagel. Seine Arbeiten wurden bei Wettbewerben mehrfach ausgezeichnet. Von 1958 bis 1969 war er Mitglied der Salzburger Gruppe und quasi Nachbar von Hermann Ober ,war er zudem von 1973 bis 1979 Mitglied in der von Ober gegründeten „Gruppe 73“ und nahm an zahlreichen Ausstellungen im deutschsprachigen Raum sowie in Polen und Italien teil. Unglaublich, dass das alles über Jahrzehnte passierte, ohne das man das alles in Freilassing realisierte, zeigte sich Schmähl erstaunt. 

Zwei Lebensabschnitte scheinen seine Persönlichkeitsentwicklung und sein Leben wesentlich beeinflusst zu haben. Das war zum Einen seine Zeit als Kindersoldat, als ihn Hitler noch im Herbst 1944 mit 16 Jahren als Kanonenfutter an die Front geschickt hatte. In Gesprächen mit Karl Schindler bekam Bernhard Schmähl Eindruck von der tiefen Traumata, die das Grauen um die Kriegserlebnisse hinterlassen hatte. Einige Bilder aus den frühen 60er Jahren, lassen die Aufarbeitung dieser Schreckenszeit erahnen. 

Das zweite prägende Ereignis war der Unfalltod seines 17 jährigen Sohnes Edi. Aus Sicht des Laudators habe Schindler nach diesem harten Schlag nie wieder richtig ins Leben zurück gefunden. Schmähl erinnerte sich an die Entwürfe von Stahl-Skulpturen, die er für ihn und Mitglieder der Freilassinger Künstlergilde und ihr Projekt „Kunst trifft Handwerk“ von 2011 bis 2014 gefertigt hatte. Auch wenn er selbst kein Kunstexperte sei, betrachte er Karl Schindler dennoch als Künstler, der zumindest im Bereich der Malerei in einer Reihe und auf Augenhöhe mit den großen Namen der Künstler, die Freilassing und die Region hervorgebracht habe, stehe. 

Die Ausstellungsobjekte in der Lokwelt, in denen Karl Schindler ideenreich zwischen Abstraktion und Realismus wandelt, beinhalten lediglich 2-3 Prozent seines Lebenswerks. „Der größte Teil des Schatzes ist zwar gesichtet, aber noch nicht gehoben worden“, verriet der Laudator. Die Jahresausstellung ist zu den Öffnungszeiten der Lokwelt Freilassing in der Westendstraße 5 bei freiem Eintritt in der Galerie zu besichtigen.

Gisela Brechenmacher 


Fotos: Gisela Brechenmacher